Wasseraufbereitung

Sauberes Wasser interessiert uns nicht nur, weil wir keine Lust haben mit Magenschmerzen rumzuliegen. Nein, auch weil wir abschätzen wollen wie viel Platz wir für Wasservorräte einplanen müssen. Ein paar Tage würden wir schon gerne sorgenfrei durch die Gegend fahren können. Bei zwei Personen und ca. 2,5l pro Person pro Tag kommen wir auf ungefähr 15l. Neben dem Trinkwasser brauchen wir allerdings auch noch Wasser zum Abspülen, Kochen und auch eine Dusche sollte drin sein. Außerdem habe ich gerne noch ein bisschen Reserve und kalkuliere mal lieber 25l Trinkwasser. Man sollte auch in der Lage sein anderen Reisenden aushelfen zu können.

Um nun zu wissen wie viel Platz wir brauchen, ist es interessant zu wissen ob und wie man unterwegs Wasser tanken kann. Da man nicht immer einen super Wasserhahn finden wird, muss das Wasser aufbereitet werden.

Verschmutzungen

Im Wasser kann alles mögliche sein. Was wir am leichtesten erkennen können, ist ob das Wasser trübe oder klar ist. Das sagt aber nicht viel über die Qualität aus.

Die Probleme kommen meistens von Viren, Bakterien, Pilzen und auch von Giftstoffen. Die gibt es natürlich überall in der Natur. Darum kann man eigentlich nie einfach so davon ausgehen, dass selbst klares Bergwasser problemlos zu trinken ist.

Kommt das Wasser allerdings direkt aus einer Quelle, es sind keine Tiere wie Kühe, Ziegen oder ähnliches direkt in der Nähe und am Besten ist noch ein kleiner Brunnen gebaut kann man das Wasser eventuell trinken. Dafür gibt es aber nie eine Garantie. Also lieber nur machen, wenn es absolut nötig ist. Dieses Wasser kann man aber sehr gut für anderes nutzen, Spül- und Duschwasser bietet sich da als erstes an. Es erklärt sich irgendwie von selbst, dass ihr Trinkwasser- von Nutzwasserkanistern trennen solltet.

Vorbereitung

Um das gefundene Wasser vorzubereiten gibt es verschieden Möglichkeiten. Es bietet sich an trübes Wasser erst einmal vorzufiltern. So wird der eigentlich Filter geschont und das kann man schon mit einem einfachen Kaffeefilter anstellen. Alternativ kann man Wasser auch aus einem Gefäß schöpfen nachdem sich die Schwebstoffe abgesetzt haben.

Filtern

Das erste Aufbereitungsverfahren ist Filtrierung. Dazu gibt es im Campingzubehör verschiedene Filter. Mikrofilter filtern entweder mit keramischen Filtern oder Glasfasern bis zu 99,999% der Bakterien, gegen Viren sind die Filter aber leider machtlos. Keramikfilter können gereinigt und mehrfach benutzt werden, Glasfaserfilter sollte nach der angegebenen Filterleistung ausgetauscht werden. Beide Filtersysteme sind häufig mit Aktivkohlefiltern, Chlor oder Silberionen ausgestattet. So wird ein Verkeimen des Filters verhindert. Einzig der Einsatz von Chlor kann einen verkeimten Filter sofort wieder fit machen, die anderen beiden Stoffe müssen länger einwirken. Chlor schafft es sogar Viren abzutöten, schmeckt aber leider nicht so gut.

Mit einem Keramikfilter der zusätzlich mit Aktivkohle ausgestattet ist, ist man aber ziemlich gut im Gelände ausgestattet.

Desinfizieren

Diese Methode kann besonders interessant sein, wenn man keinen Platz für einen Filter hat und nur eine Art Notfallkit mitnehmen möchte. Meistens erfolgt die Desinfektion mit Chlor oder Jod und ist äußerst schnell und wirksam. Der Nachteil ist jedoch, dass was einmal im Wasser war auch im Wasser bleibt. Auch wenn es abgetötet wurde, können immer Bestandteile zurückbleiben. Außerdem schmeckt das Wasser dann nach Chlor.

Die zweite Methode ist die Desinfektion mit Silberionen. Es dauert länger bis Wasser bedenkenlos genießbar ist, dafür hält die Desinfektion auch länger. Habt ihr also einen Tank im Auto der für längere Zeit desinfiziert werden soll sind Silberionen sinnvoller.

Die chemische Desinfektion ist aber nicht für den längeren Einsatz gedacht, da die Stoffe unter Umständen auch Auswirkungen auf den Körper haben können. Am Besten die Anleitung des jeweiligen Produktes gut lesen.

UV-Licht

Eine weitere einfache Methode ist die Desinfektion mit UV-Licht. Bakterien und Viren werden so zuverlässig abgetötet. Man kann entweder ein sehr handliches Gerät benutzten, das einfach in eine Trinkflasche gehalten werden kann oder eine UV-Lampe im Vorratstank installieren. So werden selbst Bakterien und Viren abgetötet, die Resistenzen gegen andere Mittel entwickelt haben. Jedoch bleibt wie bei der chemischen Aufbereitung erstmal alles im Wasser und Giftstoffe werden damit auch nicht beseitigt. Ein weiterer Nachteil ist, dass besonders eine Lampe im Tank ständig Strom braucht, da sie nur so lange wirkt wie sie eingeschaltet ist. Es ist eine gute Methode als Vorstufe der eigentlichen Aufbereitung in Kombination mit einem Keramik- oder Glasfaserfilter.

Im Notfall kann man Wasser auch in einer klaren PET Flasche unter der Einwirkung von Sonnenlicht aufbereiten. Dafür sollte allerdings mindestens sechs Stunden Sonne auf die Flasche scheinen. So werden viele Erreger abgetötet und als letztes Mittel ist es besser als nichts.

Abkochen

Um Bakterien, Viren und Pilze loszuwerden kann man das Wasser natürlich auch abkochen. Im Idealfall erreicht das Wasser 100°C und alle Erreger werden in kürzester Zeit abgetötet. Man kann also viel Energie sparen indem man das Wasser nur kurz erhitzt. Je heißer das Wasser ist, desto weniger bleibt im Wasser zurück. Solltet ihr sehr hoch sein, vergesst nicht, dass das Wasser früher kocht. Vielleicht sollte man es dann lieber eine Minute länger kochen lassen, nur um sicher zu sein.

Umkehrosmose

Klingt erstmal ein bisschen kompliziert ist aber ganz einfach. Flüssigkeiten mit unterschiedlicher Konzentration sind bestrebt die abweichenden Konzentrationen auszugleichen. Dieser Effekt wird ausgenutzt um Wassermoleküle durch eine Membran zu ziehen. Diese Methode erreicht mit Abstand das reinste Trinkwasser und wird auch in Krankenhäusern verwendet.

Es ist aber auch das mit Abstand aufwendigste Verfahren. Man benötigt Pumpen, die Druck erzeugen und Vorfilter, die verhindern, dass der empfindliche Osmosefilter zu schnell verstopft. Ach und billig ist es natürlich auch nicht.

Fazit

Je nach Einsatzgebiet bieten sich verschiedene Möglichkeiten zur Wasseraufbereitung an. Das Beste ist es einfach Wasserflaschen zu kaufen, so sollte nichts passieren. Sollte doch mal das Wasser aufbereitet werden müssen, ist es am einfachsten das Wasser abzukochen und eventuell anschließend mit Aktivkohle zusätzlich zu filtern. Der Einsatz von Keramikfiltern erfordert allerdings ein bisschen Vorsicht, da sie sehr empfindlich sind und leicht brechen können.

Für größere Fahrzeuge und längere Expeditionen kann ein Umkehrosmosefilter allerdings eine lohnenswerte Investition sein. So kann man sehr sicher sein, dass man reines Trinkwasser auch im Notfall selbst herstellen kann.

Um nur für den Notfall gerüstet zu sein, ist die einfachste Methode eine chemische Aufbereitung. Ältere Wassertanks sollten sowieso vor dem Befüllen mit Trinkwasser mit Chlor desinfiziert werden.

Was noch?

Lasst euch nicht von der einheimischen Bevölkerung täuschen. Nur weil sie das Wasser problemlos trinken können, könnt ihr das noch lange nicht. Und die Verschmutzung ist in der Nähe von Siedlungen oder Viehherden am größten. Das gilt auch für Leitungswasser.

Solltet ihr Wasser aufbereiten müssen, entnehmt es aus einer Quelle über einer Siedlung oder Viehherde. Dabei sind fließende Gewässer einem stehenden immer vorzuziehen. Wenn man doch mal nur ein stehendes Gewässer findet, sollte das Wasser von der kühlsten Stelle, also meistens der Mitte unter der Oberfläche entnommen werden. Dort ist davon auszugehen, dass die Verschmutzung geringer ist als an den Ufern.

In jedem Fall solltet ihr gegen möglicherweise vorkommende Krankheitserreger geimpft sein. Denn nicht nur durch Wasser ist eine Infektion mit verschiedensten Krankheiten leicht möglich. Dazu fragt ihr aber lieber einen Arzt.